Das Merle-Gen & Fellvarianten

Hier erfahrt ihr mehr über das Merle-Gen,
die verschiedenen Fellvarianten und die beeinflussenden Gene.
Einmal vorweg: Merle ist nicht gleich Merle und nicht jeder Merle hat gesundheitliche Einschränkungen zu befürchten!
Wusstet ihr, dass ein Hund ein "Merle" sein kann, ohne dass man es ihm ansieht?
Merle/ M-Lokus
Die Fellscheckung ist mittlerweile gut entschlüsselt, auch wenn sie das ein oder andere Geheimnis noch hat.
Quellen, die wir für unsere Recherche genutzt haben und die wir für euch empfehlen können (keine Kooperationen!), findet ihr mit der Lupe. Ihr kommt durch draufklicken zur Quelle.

Das Merle-Gen gerät immer wieder in Verrufung grundsätzlich gesundheitsgefährdend zu sein. Spoiler: pauschal- NEIN!
Merle, das meint genau genommen den M-Lokus und der ist gar nicht so einfach und simpel wie das viele Jahre angenommen wurde.
Im Folgenden versuchen wir euch einen kleinen Überblick und auch tieferen Einblick in diesen spannenden Part der Genetik zu geben.
Merle, das ist die bekannte und vielseits beliebte Fellscheckung, die entweder Schwarz (blue merle) oder Braun (red merle) als Grundton hat, wobei der Anteil an dunklem Eumelanin, das Pigment, das in schwarz, braun, blau oder lilac steckt, fleckenartig in der Farbintensität verdünnt wird.
Beim M-Lokus gibt es eine sogenannte Allelische Reihe, die verschiedenste Allel-Varianten aufweisen kann und sich somit unterschiedlich auf den Phänotypen (das Äußere) als auch auf die Gesundheit haben kann. Die verschiedenen Allel-Varianten unterscheiden sich grundsätzlich an den verschiedenen Längen der Insertionen- geannt PolyA-Länge.
Im Folgenden stellen wir euch die verschiedenen Varianten vor.
Sie sind der Reihe nach, nach ihrer Länge der Insertion, gelistet. Die SINE-Einfügung meint die Poly-A-Länge.
m: klein m zählt eigentlich nicht zum Merle, denn das ist die Bezeichnung für "frei vom M-Lokus". Er wird bei m/m auch nonmerle genannt.
Mc: kryptisches Merle (PolyA-Länge 200-230bp)
Ein m/Mc oder Mc/Mc Hund ist vom Phänotypen her einfarbig. Er weist keine Merle-Färbung auf, da das polyA-Ende dieses Allels so verkürzt ist, dass es quasi einen Null.-Effekt hat. Dadurch birgt eine Verpaarung mit einem M-Träger kein gesundheitliches Risiko.
Mc+: kryptisches Merle + (PolyA-Länge 231-246bp)
Dieser Merle-Typ ist ähnlich zu seinem Namenspartner. Hier kann es lediglich bei langhaarigen Hunden zu einer leichten Veränderung der Fellfarbe kommen, doch auch hier besteht bei einer Verpaarung mit einem M-Träger kein gesundheitliches Risiko.
Ma: atypisches Merle (PolyA-Länge 247-253bp)
Bei einem atypischen Merle fehlt weiterhin das klassische Merle-Fellkleid, aber es kommt häufiger zu einer leichten Farbverdünnung oder bräunlichen Tönung. Zum Teil ist eine hellere Unterwolle erkennbar. Verpaarungen mit M oder Mh sind nicht empfehlenswert und kann zu gesundheitlichen Risiken führen.
Ma+: atypisches Merle + (PolyA-Länge 255-264bp)
Bei einem atypischen Merle + kann man in der Regel eine leichte Fellscheckung erkennen, die allerdings nicht so ausgeprägt ist wie beim klassischen Merle und auch keine richtige Fellscheckung besitzen. Die Farbe wirkt oft verdünnt oder bräunlich oder hat schattierte Pigmente. Es kann auch zu einer sogenannten Tweed-Färtbung (meist bei Ma/Ma+ oder Ma+/Ma+) kommen.
Es wird grundsätzlich nicht empfohlen mit M oder Mh zu verpaaren!
M: klassisches Merle (PolyA-Länge 265-268/269bp (hier unterscheiden sich die Werte je nach Studien und Laboren). Hat ein Hund ein gewohntes Merle-Fellkleid, so hat er in der Regel den Phänotypen m/M.
Bei einem M/M Genotypen kommt es zu starken gesundheitlichen Einschränkungen und die Zucht wird als Qualzucht betrachtet und ist in Deutschland verboten. Dabei entstehen die sogenannten Double-Merles.Aus Unwissenheit kommt es leider auch heutzutage immer noch zu solchen Fällen und diese Tiere haben meist nicht nur einen sehr stark erhöhten Weiß-Anteil, sondern auch schwere Innenohrfehlbildungen, Schwerhörigkeit, Taubheit oder Erkrankungen des Auges.
Mh: Harlekin Merle (polyA-Länge 269/270-280bp (je nach Interpretationen der Studienlage)
Der Harlekin-Merle kann die verschiedensten phänotypischen Ausprägungen haben: von minimal white zu einem großen Weiß-Anteil. Er trägt eine grundsätzlich leichte Chance für gesundheitliche Risiken in einer Verpaarung mit einem nonmerle mit sich und sollte für die Reduzierung des gesundheitlichen Risikos niemals mit einem anderen Merle-Typ verpaart werden! Da die Übergänge fließend sind, kann bei zunehmender PolyA-Länge von einem etwas höheren Risikofaktor ausgegangen werden wie einem im unteren Toleranzbereich angesiedelten Mh.
Bei Laborwerten, die sich von der Basenpaarlänge bei 269bp befinden, aber im Genotypen als m/M klassifiziert sind, kann beruhigt davon ausgegangen werden, dass es sich um einen klassischen Merle handelt und nicht um einen Harlekin-Merle, vor allem, wenn die Elterntiere entsprechende Testergebnisse haben, die dies belegen. Eine Mutation findet i.d.R. nicht statt, sondern es kommt vielmehr zu leichten Messtoleranzen in den Laboren.
Mosaike:
So richtig interessant, beruhigend und gefährlich wird das ganze erst bei der Betrachtung der unterschiedlichen Kombinationen der Merle-Varianten miteinander und/oder mit einem non-Merle.
Auch wenn Merle im Normalfall dominant zu seinem Wildtyp-Allel (m) ist, so kann es in einigen Fällen zu sogenannten "Hidden-Merles" kommen, bei denen der Hund ein Merle-Gen aufweist, aber dennoch keinen klassischen Phänotypen aufweist. Daher ist es besonders wichtig, bei der Zucht immer sicherzustellen, dass dies entsprechend getestet ist! "Hidden-Merles" können durch das Unterdrücken des M-Lokus durch den Lokus E und A zustande kommen. Auch Mc ist im Phänotypen nicht erkennbar.
Das gesundheitliche Risiko für entsprechende Verpaarungen sind der eingefügten Tabelle zu entnehmen,
Die verschiedenen Fellvarianten
Eine kleine Einführung zum Verständnis
Gerade die Optik ist beim Aussie ganz oft ein großes Thema. Durch die Vielzahl an Mustern und Farbvariantione, ist ein Aussie in seinem Phänotypen schon sehr besonders.
Damit man eine kleine Übersicht bekommt, wie die Fellfarben zustande kommen und wie sie bezeichnet werden, haben wir dies für euch zusammengetragen.
Die Fellfarben und Muster sind durch verschiedene Farbgene, den Lokus, definiert.
Es gibt zunächst die Grundfarben im Erscheinungsbild, welche durch den E-Lokus, K-Lokus und A-Lokus bestimmt werden und durch den Erbgang aufeinander in der Ausprägung Einfluss nehmen (wenn ihr da mehr Infos zu wollt, schaut gerne in die Quellen rein).
Auf die Grundfarben legen sich sogenannte Modifikatoren, die durch B-,D-,I-,S- und M-Lokus bestimmt werden. (In der Quelle wird auch noch der H-Lokus erwähnt, der ist aber beim Aussie nicht relevant!)
Besonderheiten im Muster werden durch K-,As-,E- und Tr-Lokus bestimmt.
Am Ende bildet sich allerdings nur aus zwei Farbpigmenten das Fellkleid unserer lieben Vierbeiner: Eumelanin (das schwarze Pigment) und Phäomelanin (das rote Pigment). Weiß bedeutet, dass es dort kein Pigment gibt.
Durch die vielzahl der Gene und ihre genetische Hirarchie kommt unser ganz besonderer Hund auf die Welt. Im Groben werden die Fellzeichnungen wie folgt unterschieden:
Schwarz als Grundfarbe wird als "Black" bezeichnet.
Braun als Grundfarbe wird als "Red" bezeichnet.
Ist der Hund einfarbig wird er mit "Solid" betitelt.
Trägt er nur zwei Farben, als "Bi" und bei drei Farben "Tri".
Fehlt das kupfernfarbene Abzeichen, kann man an die allgemeine Fellbezeichnung auch "White trim" hinzufügen
Manchmal finden sich noch besonders vorgehobene Merkmale in der Bezeichnung wieder. "Tan" ist eine Sandfarbe und zeichnet einen zusätzlich helleren Braunton im Fell wieder. "Minimal White" erklärt sich natürlich von selbst und meint, dass der Weiß-Anteil im Fell sehr gering ist. "Copper" zeichnet sich durch einen fehlenden Weiß-Anteil aus. "Black bi copper trim) wäre also ein Schwarz-Kupferfarbener Hund ohne weiß (z.B. beim Rottweiler bekannt).
Kommt das Merle-Gen im Phänotypen auf, so wird er auch als "Merle" bezeichnet.
Da die Bezeichnung gelegentlich nochmal zu lesen ist: "Dilute" ist bisher keine anerkannte Fellfarbe beim Aussie. Hierbei handelt es sich um schiefergrau werdendes Fell. Es ähnelt in gewisser Weise dem optischen Merle, ist damit aber nicht vergleichbar und auf eine andere Genmutation zurückzuführen.
Wir geben einmal ein paar Beispiele mit unseren eigenen Hunden- die Liste ist dementsprechend unvollständig!
Wir hoffen Sie können verstehen, dass wir hier nicht auf alle verschiedenen Fellvarianten explizit eingehen können.
Es gibt einige sehr gut aufgearbeitete Seiten, die dies tun und die wir Ihnen in den Quellen vorstellen.


Black Bi
(white trim)
Red Bi
(white trim)


Red Tri
Black Tri




Blue Merle Tan
Red Merle
Blue Merle Bi /
Blue Merle white trim
Red Merle Minimal White
Beispiele aus den eigenen Reihen bzgl. z.B. Solid-Farben können wir leider nicht geben, aber wir hoffen euch mit den hier gängigsten Farbvarianten vertraut gemacht zu haben!
Dieses Thema ist tatsächlich aus Sicht der Datenlage schwierig verlässlich darzustellen. Einige Risikofaktoren sind bekannt, einige vermutet und nicht alle testbar. Vorhandene Quellen sind oft sehr kurz gehalten, gehen nicht näher auf Studien oder wissenschaftliche Untersuchungen ein und sind daher für viele schlichtweg schwierig nachzuvollziehen und für uns Züchter kann es schwierig werden dem Vorzubeugen.
Wir versuchen in diesem Abschnitt einen Einblick zu geben, müssen aber ebenso darauf hinweisen, dass auch uns nur eine begrenzte Datenlage zur Verfügung steht.
Ein heller Australian Shepherd- er sieht erst einmal hübsch aus- warum ist er also nicht voll im Trend? Das Problem liegt im fehlenden Pigment (weiß= kein Pigment). Mit ihm entstehen Risiken für eine Beeinträchtigung der Sinnesorgane, speziell Taubheit, in einigen wenigen Fällen auch Blindheit oder eine sensible Haut, die anfällig für Sonnenbrände sein kann.
Man möchte diese Risiken in einer gewissenhaften Zucht möglichst gering halten, denn man möchte natürlich die bestmögliche Gesundheit für seine Schützlinge erlangen. Der schwierige Aspekt liegt darin zu erkennen und zu verstehen, ab wann bestimmte Masken und Weiß-Anteile überhaupt zu einem Risiko-Faktor werden. Das ist der Part, an dem die Wissenschaft noch keine verlässlichen Daten liefert, sich Züchter über eigene Erkenntnisse austauschen, der Verein bestimmte Vorgaben macht und viel Spekulation herrscht.
Was oft zu allererst als möglicher Grund genannt wird, sind die Double-Merles. Auf die sind wir bereits im oberen Abschnitt detailliert eingegangen und da uns dieser Risiko-Faktor bereits detailliert bekannt ist, gehen wir in diesem Abschnitt nicht erneut darauf ein.
Nun können aber auch nonmerles oder klassische Merles einen größeren Weißanteil oder einen sehr weißen Kopf aufweisen. Auch wenn dies i.d.R. deutlich seltener als bei den Double-Merles zu gesundheitlichen Einschränkungen führen kann, sind diese nicht gänzlich ausgeschlossen.
Diverse Scheckungen und Muster sind genetisch noch nicht entschlüsselt und abgesehen vom M-Lokus (Merle), ist nur der S-Lokus testbar.
Der S-Lokus gibt selbst keinen Aufschluss über die Gesundheit eines Hundes, aber über eine mögliche größere Weißscheckung, die eben mit bestimmten Risiken assoziiert werden könnte. Es ist dem semi-dominanten Erbgang zuzuordnen, was bedeutet, dass es bereits bei einmaligem Vorhandensein im Genstrang zum phänotypischen Auftreten kommen kann und bei einem zweifachen Vorhandensein verstärkt sichtbar ist. Es ist nicht genau bekannt, wie andere Fellscheckungen oder Muster in Wechselwirkung wirken.
Dies zu den offensichtlichen optischen Aspekten, aber wie steht es nun konkret um die Gesundheit?
Das Australian Shepherd Health & Genetics Institute sagt (sinngemäß übersetzt aus dem Englischen, für Weiteres siehe Quellenangaben): Ein größtenteils weiß geborener Welpe, der kein Double-Merle ist, wird höchstwahrscheinlich gesund sein, auch wenn es einige Wenige geben kann, die auf einem oder beiden Ohren taub sind.
Auf Nachfrage beim deutschen Labor Labogen/Laboklin wurde uns mitgeteilt, dass in vielen gesundheitseinschränkenden Fällen ein Double-Merle die Ursache ist, man aber auch klassischen Merles oder Nonmerles mit viel Weiß, im Umkehrschluss keine "Entwarnung" geben kann.
Was können wir Züchter also tun? Es gibt einige weitere Faktoren, abgesehen vom S-Lokus und M-Lokus, die einen größeren Weißanteil hervorbringen könnten. So achten viele bereits darauf, dass bestimmte Verpaarungen, neben dem M-Lokus-Aspekt, nicht stattfinden. Es sollten im Idealfall nicht beide Elterntiere verpaart werden, wenn beide Blessen sehr groß oder asymmetrisch, sowie Sanduhr-förmig sind oder die Blessen sich über den Kopf oder Mundwinkel hinaus bis zum Kragen ziehen. Sehr viel weiß an den Hinterbeinen oder ein weißer Kragen, der bis hinter die vorderen Schulterblätter geht, könnten ebenso ein beeinflussendes Merkmal sein.
Die entsprechenden Vereine, die für den Australian Shepherd zuständig sind haben daher bei Ausstellungen teils u.A. auch aus diesen Gründen sehr strenge Vorschriften und exessives Weiß wird dann als Fehlfarbe angesehen.
Auch wenn man all dies beachtet, ist es möglich, dass Welpen mit einem hohen Weißanteil oder White-Head fallen. Selbst zwei Solid-farbene Elterntiere könnten dies hervorbringen. Gewissenhafte Züchter versuchen so gut es eben geht, alle möglichen Risikofaktoren zu begrenzen, ohne ausreichende wissenschaftliche Erkenntnisse, die es bisher leider noch nicht gibt, kann es aber dennoch zu Überraschungen der Natur kommen.
Fällt ein heller Welpe, so sind positive Faktoren, wenn der Welpe (zumindest teils) Pigment auf/um der Nase hat, sowie die Augen und Ohren mit Pigment gezeichnet und umgeben sind. Umso geringer der Weißanteil, desto unwahrscheinlicher sind die genannten Einschränkungen.
Um sicher zu gehen, sollte ein Welpe mindestens auf sein intaktes Gehör getestet sein. Idealerweise wird auch die Blindheit ausgeschlossen.
